Nur eine Spritze

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Dokumentation

„Nur eine Spritze“ erzählt zum ersten Mal die Geschichte einer Tragödie, die sich Ende der 70er Jahre im Vorzeige-Gesundheitssystem der DDR ereignete. Tausende junge Mütter wurden unwissentlich mit dem aggressiven Hepatitis-C-Virus in ostdeutschen Krankenhäusern infiziert. Die Ansteckung mit dem Virus geschah über eine Anti-D Prophylaxe, welche eigentlich die Gesundheit von Mutter und Kind sicherstellen sollte.
Der eigentliche Skandal: Die Infizierung der jungen Mütter hätte verhindert werden können. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Spritzen mit Hepatitis -Viren verunreinigt sein könnten, war bekannt. Leider reagierte niemand konsequent: Weder der Hersteller der Anti-D Prophylaxe, das Blutspende-Institut in Halle a. d. Saale, noch das zuständige staatliche Kontrollinstitut in Ost-Berlin erkannten die Dringlichkeit schnellstmöglich zu handeln, um die bevorstehende Tragödie zu verhindern. Aufgrund wissenschaftlichen Ehrgeizes und Problemen der sozialistischen Mangelwirtschaft wurde die Infektionswelle nicht gestoppt und es erkrankten letztendlich tausende junge Mütter schwer. Um die schrecklichen Vorkommnisse vor der Öffentlichkeit geheim
zu halten, wurden die Frauen über Monate hinweg von ihren Neugeborenen getrennt, in Krankenhäusern quer durch die Republik isoliert und verpflichtet, Stillschweigen zu bewahren. Einige der Frauen starben an den Folgen der Hepatitis-C-Infektion, andere sind bis heute schwer und chronisch geschädigt.
Der Film von Ariane Riecker und Anne Mesecke rekonstruiert detailliert die Vorgänge in den Jahren 1978 / 79, begibt sich auf die Suche nach den Ursachen und Hintergründen des Skandals, spricht mit beteiligten Wissenschaftlern, betreuenden Ärzten und Hygienekern, mit dem damals ermittelnden Kriminalpolizisten, und natürlich mit den Betroffenen: mit Frauen wie Iris Heinrich, Sabine Schley, Margit Schröter, Marina Schneider, Eva Comel, Cornelia Trentzsch und Birgit Ebert, für die die Hepatitis-C-Infektion einen tragischen Einschnitt in ihr Leben bedeutete.